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Kolumne von Silke Leicht

Der Rubin des Schwarzen Prinzen

Wir alle haben zahllose Geschichten über die Mitglieder der englischen Königsfamilie und ihre Kronjuwelen gelesen und daher werden Sie es mir sofort glauben: manche von ihnen (den Juwelen) tragen einen alten Fluch in sich. Wer diese besitzt, der wird von Unglück, Pech und Schwefel verfolgt und trägt ein hohes Risiko, früh dahinzuscheiden. Einer dieser legendären Edelsteine trägt den unheilschwangeren Namen: Der Rubin des Schwarzen Prinzen. Ein Schelm, wem bei diesem Namen nicht wohlige Schauer des Gruselns über den Rücken laufen!

Blut und Tod säumen den Weg dieses Rubins.

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Don Pedro der Grausame von Kastilien löste den Fluch auf diesem Stein aus, als er ihn im 14. Jahrhundert dem noch warmen Leichnam eines heimtückisch gemeuchelten maurischen Prinzen entwendete. Pedro gab den Rubin drei Jahre vor seinem frühen Tod an Edward of Woodstock weiter, seines Zeichens Kronprinz von England, als Dank für dessen Unterstützung beim Kampf um den spanischen Thron.
Edward Plantagenet hatte sich seinen Beinamen Der Schwarze Prinz durch seine schwarze Rüstung und blutigen Erfolge auf dem Schlachtfeld verdient. Es überrascht nicht sehr, dass Edward sich nicht lange am Besitz des Rubins erfreuen konnte. Bereits in jungen Jahren und vor seiner Thronbesteigung fiel er auf dem Schlachtfeld; sein Sohn und Erbe Richard II wurde mit nur 21 Jahren ermordet. 

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Und immer weiter zieht der Fluch des Rubins seine schaurigen Bahnen durch die Häuser seiner königlichen Besitzer: der Tudors (Schwüre und Schwerter) und Stuarts (Röcke und Ränke) bis hin zu den heutigen Windsors (Tüll und Tränen). Auch die Lancasters, Yorks und Hanovers hatten ihre Unglücks-Päckchen zu tragen – und der Rubin als Familien-Erbstück immer an vorderster Front dabei!
Der Stein selbst – der Rubin des Schwarzen Prinzen – ist ein prachtvoller Vertreter seiner Gattung und einer der ältesten Edelsteine in den Britischen Kronjuwelen. Mit stattlichen 170 Carat hat er eine Länge von 5 cm und ist poliert, nicht geschliffen. Seine Farbe ist von feinstem Rot, das in der Fachspache den anschaulichen Namen Taubenblutrot trägt.

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Das Kalkül ging auf und Katharina war begeistert vom funkelnden Liebesbeweis, verlieh ihm den Namen Orlow-Diamant und trug ihn fortan prominent auf ihrer Mütze, bevor sie ihn Jahre später ins Kaiserliche Zepter einfassen ließ. Dieses wurde 1784 vollendet und präsentiert den Diamanten unter dem doppelköpfigen Adler in seinem ursprünglichen indischen Rosen-Schliff mit rekordverdächtigen 321 Facetten.

Allerdings blieb da ein kleiner, nein großer Wermutstropfen: trotz des großzügigen Geschenks verweigerte Katharina dem Fürsten Orlow ein Wiedersehen und setzte weiterhin auf den fleißigen Potjomkin, den sie später als Liebe ihres Lebens bezeichnete und vermutlich sogar heimlich heiratete. Der unglückliche Orlow kam über diese Schmach nie hinweg und verbrachte den Rest seiner Tage gebrochen in einer Irrenanstalt.

An der Spitze ist der Edelstein durchbohrt und dort mit einem kleineren Rubin aufgefüllt.  Gefasst ist der Stein in der Imperial State Crown über dem sagenhaften großen Diamanten Cullinan II. Aktuell ist Ihre Majestät Königin Elizabeth II Eigentümerin des Rubins des Schwarzen Prinzen und bei offiziellen Anlässen wie der alljährlichen Parlaments-Eröffnung nimmt der düstere Edelstein seinen Ehrenplatz auf ihrem Kopf ein – Elizabeth im übrigen scheint der Fluch, der damit über ihr thront, nicht übermäßig zu bekümmern. Vermutlich bringt der unselige Stein nur Unglück über die (zumeist männlichen) Bösewichter und lässt nette alte Damen unbehelligt?

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Der geschichtsträchtige Edelstein hat sich dann später noch einen zweiten Namen verdient: The Great Imposter, Der Große Hochstapler – denn in Wirklichkeit ist der Rubin des Schwarzen Prinzen kein Rubin, sondern ein Spinell! Entdeckt wurde dies im 18. Jahrhundert, als eine neue Technologie es erstmals möglich machte, die beiden identisch aussehenden Minerale voneinander zu unterscheiden. Etikettenschwindel? We are not amused! Tatsächlich aber wird Spinell noch seltener gefunden als Rubin und beim Roten Stein des Schwarzen Prinzen handelt es sich um den weltgrößten ungeschliffenen Spinell. Damit ist er ein wirklich einzigartiger Edelstein, würdig einer Königskrone.”

Ihre
Silke Leicht

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