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Kolumne von Silke Leicht

Der Kern der Kirsche

Im Leben zählen oft die kleinen Dinge, die übersehen werden – wie ein gewöhnlicher Kirschkern. Doch was wäre, wenn dieser winzige Kern ein unglaubliches Kunstwerk verbirgt?

In ihrer heutigen Kolumne nimmt Silke Leicht Sie mit in die faszinierende Welt der winzigen Kostbarkeiten. Entdecken Sie die erstaunliche Geschichte eines scheinbar gewöhnlichen Kirschkerns, der im „Grünen Gewölbe“ in Dresden als Highlight ausgestellt ist.

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Es wird ja gerne behauptet, im Leben käme es gar nicht auf die Größe an, sondern die inneren Werte seien ausschlaggebend. Und doch wird manches ob seiner Petitesse übersehen und nicht besonders respektiert; denken Sie nur mal an einen gewöhnlichen kleinen Kirschkern.

Wie groß wird er sein, 6mm im Durchmesser? Winzig! Und gerne wird er von uns durch die Gegend gespuckt, als sei er nichts wert. Aber nun stellen Sie sich vor, ein feingeistiger Künstler mit noch feineren Händen würde in diesen Kirschkern etwas einschnitzen – kaum vorstellbar! Und zwar nicht nur irgendein Ornament, sondern ein menschliches Portrait – komplett irre, geht doch gar nicht!

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Geht wohl, und zwar noch viel verrückter. In der einzigartigen Schatzkammer „Grünes Gewölbe“ in Dresden wird unter allen wertvollen Pretiosen, Edelsteinen und Kunstgegenständen als absolutes Highlight ein Kirschkern ausgestellt, in den ein unbekannter Künstler -  ja, Sie lesen richtig -  185 Gesichter geschnitzt hat! Minutiöse Portraits von Vertretern geistlichen und weltlichen Standes, die vermutlich kleinsten Schnitzereien ever.

Den „Kirschkern, darein 185 Menschen=Angesichter und Köpfe geschnitten seyn“ erhielt der damalige Kurfürst im Jahre 1589 als Geschenk – in dieser Zeit der Renaissance waren minutiöse Schnitzereien in Obstkernen, Muskatnüssen und sogar Pfefferkörnern für Kunstliebhaber ein angesagtes „Must Have“. Man darf anerkennend feststellen, dass der Kurfürst und alle seine Nachfolger den einzigarten handwerklichen Wert der winzigen Kostbarkeit über alle Jahrhunderte zu schätzen wussten.

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So ist der Ruhm dieses Kunstwerks bis heute nicht verblasst: der gar nicht bescheidene Kirschkern kann im Neuen Grünen Gewölbe inmitten all der goldenen und funkelnden Pretiosen bestaunt werden, durch eine Lupe ins rechte Licht gerückt; der bestaunte Publikumsliebling, bewundert von Jung und Alt.

Die Museumshüter haben zwischenzeitlich allerdings dank moderner Technik festgestellt, dass nicht 185, sondern NUR 113 Gesichter auf den Kern geschnitzt wurden. Ich lade Sie gerne dazu ein, bei Ihrem nächsten Dresden-Besuch einmal selbst zu zählen - mit der Warnung: Nachzählen ist theoretisch möglich, macht aber schwindelig…

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Auf jeden Fall möchte ich hier ein Plädoyer dafür halten, zukünftig mehr auf den Wert der kleinen Dinge zu achten. Und wenn Sie das nächste Mal reife Kirschen essen oder sogar ein Stück der wunderbaren Schwarzwälder Kirschtorte genießen, für die unsere Region auf der ganzen weiten Welt bekannt ist, vergessen Sie nicht den essentiellen Wert der winzigen Kostbarkeiten, die fehlen: denken Sie immer auch an die Kirschkerne!

Ihre Silke Leicht

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